Was kann Alaun?

Alaun ist in Verruf geraten, obwohl es früher ein fester Bestandteil in so gut wie jedem Haushalt war. Im Netz findet man Anfragen besorgter Eltern, ist Alaun giftig??? Dabei höre ich Panik heraus. Was kann man überhaupt noch ohne Bedenken verwenden, und was nicht?

Lebensmittel, Kleidung, Spielzeug, Deos, alles wird in unserer Zeit zu einem Gesundheitsproblem und Risiko. Je mehr Informationen man erhält, desto verwirrter und orientierungsloser fühlt man sich. Und ja, auch mir geht es immer wieder so, deshalb habe ich mich entschlossen, ein bisschen Ordnung in das informative Chaos zu bringen.

Die grundlegende Frage ist schnell beantwortet.  Alaun zu berühren, oder auch mal ein Wölkchen Alaundampf ab zu bekommen, ist nicht gefährlich. Alaun sollte aber nicht in die Hände von Kindern gelangen, das trifft auf alle Chemikalien zu. Das gilt genauso für Klebstoff, Nagellack, Zitronensäure, oder Haarshampoo. Man weiß schließlich nicht was den Kleinen einfällt! Schnell ist ein Stück Knete im Mund gelandet, oder irgendwo anders, wo es nicht hin soll.  Alaun ist nicht zum Verzehr geeignet, und Alaundämpfe, sollten nicht tief inhaliert werden. Wenn man sich an diese einfachen Regeln hält, kann man Alaun durchaus äußerlich anwenden und für verschiedene Zwecke einsetzen.

Aus Alaun kann man zum Beispiel wunderbare Kristalle züchten, die Herstellung ist unbedenklich. Natürlich sollte, wenn es um Kinder geht, auch hier jemand dabei sein, der verantwortungsvoll ist und aufpasst. Nicht unbedingt, weil es sich um Alaun handelt, sondern vor allem deswegen, da mit heißem Wasser eine Lösung hergestellt wird. Als Alternative eignet sich auch normales Kochsalz, bloß die großen Kristalle lassen sich am besten mit Alaun züchten. Eine genaue Anleitung findest du demnächst auf meinem Blog.

Zurück zu Alaun.

Was ist Alaun eigentlich?

Unter der Bezeichnung Alaun sammeln sich verschiedene Arten von Aluminiumsulfaten. Darunter auch wirklich giftige wie z.B. Chromalaun, die für spezielle industrielle Verfahren verwendet werden.

Am geläufigsten ist Kaliumaluminiumalaun = Kalialaun, das zum Beispiel als Deo und Blutstillstift verwendet wird.  Aber auch um Kristalle zu züchten,  und bestimmte Materialien bleichen und zu beizen. Eine flüssige Alaunlösung stellt eine vorübergehende Schwefelsäureverbindung dar. Sie wirkt zusammenziehend und antibakteriell. Daher ist Kalialaun sehr effektiv, um Blut- und Schweißaustritt zu hemmen. Alaun wird im englischen übrigens sowohl „tawas“, als auch „potassium alum“, bezeichnet.

Wofür wird Alaun verwendet?

  • Medizin: Alaun wirkt als Blutstiller und zieht Wunden zusammen. Das kann eine winzige Schnittwunde sein, wie nach einer Rasur, für die ein Alaunstift bzw. Rasierstein verwendet werden kann, aber auch größere Verletzungen wurden mit Alaun behandelt. Alaun ist antibakteriell und desinfizierend. Sogar offene Wunden von Blutern (Hämophilen), denen die natürlichen Gerinnungsfaktoren fehlen, kann Alaun stoppen. Dabei zieht sich das Eiweiß im Gewebe zusammen. Das Eiweiß gerinnt, und führt zum Stopp der Blutung.
  • Um dir zu zeigen, ob die Eiweißgerinnung wirklich funktioniert, habe ich das Ganze mit einem rohen Ei ausprobiert.
  • Heilende Bäder, um Hämorrhoiden oder Hauterkrankungen zu lindern. Im 19. Jahrhundert, versuchte man mit Alaun Tripper zu heilen, indem ein Gemisch aus Alaun, das zum Teil mit Opium versetzt wurde, in die Harnröhre gespritzt wurde.
  • Antiseptische Verbände, und gegen weitere Erkrankungen wie z.B. Bluthusten, oder Diarrhö, wurde Alaun als Arzneimittel eingesetzt.
  • Spülungen für den Mund – und Rachenraum, um zu desinfizieren, werden heute noch eingesetzt (1- max. 10%-ige Lösungen).
  • In der chinesischen (ming fan) – und ayurvedischen Medizin (saurashti), wird Alaun verwendet.
  • In Impfstoffen dient Alaun als Adjuvans. Es verstärkt den Wirkstoff. Dadurch sind nur mehr Teile der Viren, anstatt abgetötete, vollständige Viren, für die Impfung notwendig.

Möchtest du einen Alaunstein selbst herstellen, hier der passende Link.

  • Kosmetik:  Als Deodorant, hier handelt es sich um den gleichen Effekt wie oben angeführt.  Die Poren ziehen sich zusammen. Auch Fuß- und Handbäder, werden bei starker Schweißbildung, verschrieben. Alaunstein wird als „Natur-Deo“ verkauft. Nach dem Rasieren von Gesicht, aber auch andere Körperpartien, beruhigt es die Haut.
  • In den 50-er Jahren diente es als Haarpomade.
  • Als Bleichmittel für die Haut (Mensch und Tier) verwendet, und ist Bestandteil in einigen Zahnpasten
  • Basteln:  In kommerzieller Knetmasse, als auch in selbstgemachter.
  • Experiment: Kristalle züchten (auch mit Salz oder Zucker möglich)
  • Lebensmittel: Zusatzstoff (z.B. E522, E521 )
  • Einlegen von Gemüse, rohen Eiern und Cocktailkirschen. Auch hier wirkt wieder das Zusammenziehen der Eiweißstoffe. Dabei werden die Zellwände fest, und verleihen Früchten und Gemüse den knackigen Biss.
  • Vorsicht bei einer Nierenerkrankung, da es zu einer Aluminiumanreicherung im Organ kommen kann!
  • Kochen: Im 18. Jahrhundert gaben englische Bäcker Alaun bei, um das Brot weißer zu machen.
  • In China wird das Frühstücksgebäck youtiao mit Alaun zubereitet. Aber es geht auch anders, wie dieses Rezept zeigt.

 

  • Beizen, Bleichen, Ätzen, Festigen:
  • Buntmetall und Silber von Lötresten reinigen. Alaun löst sowohl die Flussmittelreste, nach dem Hartlöten, als auch Oxidationsspuren. Vorsicht bei Eisen, es verfärbt das Metall rosa, und die Lösung ist danach nicht mehr zu gebrauchen.
  • Beizmittel für Leder. Alaun wurde in die Tierhaut eingerieben, wieder ziehen sich die Eiweißfasern zusammen und verbinden sich. Neben dem festigenden Effekt, hellt es die Häute auf.
  • Farbfestiger (Fixativ) und Beizmittel für Pflanzenfasern. Der Stoff wird in einer Alaunlösung gekocht, und danach in die wässrige Pflanzenfarbe gegeben. Bereits die Römer färbten ihre Kleidung mithilfe dieses Verfahrens. Als Fixativ funktioniert eine Mischung aus abgestandenem menschlichem Urin, Alaun, und Tonschiefer. Dieses Verfahren ist seit Jahrtausenden in Gebrauch, und wird vermutlich noch heute in einige Regionen der Welt verwendet.
  • Chemisches Beizen und Bleichen von Papier. (Das Beizen von Papier wird als Leimung bezeichnet.)
  • Brand- und Insektenschutzmittel. Holzbalken wurden mit Alaun eingestrichen (z.B. Fachwerkhäuser), bei einem Brand „schwitzt“ Alaun. Zusätzlich soll es vor Insektenbefall (Blattläuse, Schnecken usw.) schützen.
  • Bestandteil in Feuerlöschern, um Ölfeuer, und chemische Brände zu ersticken.
  • Farbherstellung: Dabei wird eine wässrige Alaunlösung hergestellt und mit Pottasche und Natronlauge vermischt. Der Alaun wird zu feiner kristalliner Tonerde, welch die Farbpigmente bindet. Die Pigmente werden durch die Behandlung streichfähig.
  • Klären von Wasser. Alaun bindet Schwebstoffe, andere Mineralien und Partikel, in einer gelatineartigen Substanz, die zu Boden sinkt (=Ausfällung).
  • Es ist nachgewiesen worden, dass Alaun das Wachstum von Cholerabakterien im Trinkwasser eindämmt. 

Aber nicht vergessen! Doppelt hält besser, koch das Wasser noch zusätzlich ab, bevor du es trinkst!

  • Garten: Färben von Hortensien. Wenn Alaun der Blumenerde zugesetzt wird, werden rosafarbige Blüten zu blauen.

Woraus wird Alaun gewonnen?

Reiner Alaunstein ist in Europa so gut wie nicht vorhanden, daher musste man ihn lange Zeit aus Byzanz und Ägypten importieren.  Erst im 15. Jahrhundert wurde ein Abbaugebiet in Tolfa (Italien) gefuden. Die Medici erhoben ein Handelsmonopol darauf.  Als man entdeckte, dass auch geringe Spuren von Alaun in Schwarzschiefer, der häufig in Europa vorkommt, enthalten ist, wurde in einem aufwendigen Verfahren  Alaun gewonnen.  Der Schiefer musste gebrannt, gelaugt, und schließlich die Sole kristallisiert werden. Die Gewinnung war sehr mühsam, energieintensiv, und die Ausbeute gering.

Pyrit und Markasit werden beim Brennen zu Schwefelsäure.
Schwarzschiefer mit Pyrit, frühere Alaungewinnung

Man wusste lange Zeit nicht, welche Bestandteile im Schiefer das Alaun erzeugten. Die ausschlaggebenden Minerale im Schiefergestein sind Markasit und Pyrit. Es sind Eisendisulfite, sogenannter Schwefelkies. Schwefelkies verwandelt sich durch das Brennen in Schwefelsäure, und zusammen mit den Aschebestandteilen und Tonmineralen bildet sich Alaun.  Der Anteil von Pyrit und Markasit im Schwarzschiefer beträgt im Schnitt 5%.

Ab 1820 gelang es der Chemieindustrie Alaun in großen Mengen kostengünstig zu produzieren.  Dabei wird Tonerde (eisenfrei- sonst kommt es zur Rotfärbung) mit Schwefelsäure versetzt (50%) und mit Wärme behandelt.  Alternativ zur Tonerde, eignet sich auch Bauxit oder Kryolith, sie können in Tonerde umgewandelt werden.  Durch die Zugabe von Schwefelsäure entsteht schwefelsaure Tonerde (Aluminiumsulfat) und Kieselsäure. Mit Wasser werden Rückstände entfernt und Kaliumsulfat oder- chlorid zugesetzt.  Es entsteht ein feines Pulver, sogenanntes Alaunmehl, das mit heißem Wasser schließlich kristallin wird.  Das Mineral Bauxit ist übrigens der Hauptbestandteil in der Gewinnung von Aluminium.

Alaunstein – ein „natürliches Deo“?

Wie gesundheitsschädlich ist Alaun und ist das „Bio-Deo“ daraus, besser für deine Gesundheit?

Alaunstein ist hochkonzentriertes Aluminiumsalz.  Bio ist in diesem Fall nicht gesünder, sondern sogar bedenklicher, als kommerzielle Deos in denen Aluminiumsalze enthalten sind. Seit längerer Zeit sind Aluminiumsalze im Gespräch schädlich zu sein. Auch wenn Alaun sehr viele positive Eigenschaften aufweist, sollte man nicht blauäugig sein. Schließlich, macht die Dosis das Gift. Die Kosmetikindustrie ist wach geworden, und hat begonnen, aluminiumfreie Deos anzubieten. Ab und an eine Prise Aluminiumsalz ab zubekommen ist nicht gefährlich. Kleine Bereiche damit einzutupfen birgt kein großes Risiko. Hingegen sich täglich mit Aluminiumsalzen einzusprühen, um die Schweißbildung und Geruch zu reduzieren, kann, bewiesenermaßen, zu einer Anreicherung der Salze im Blut führen. Für Menschen mit Nierenerkrankungen kann das gefährlich werden, weil sich das Aluminium dort konzentriert. Aluminiumsalze stehen auch in Verdacht andere Krankheiten, wie zum Beispiel Alzheimer und Brustkrebs zu begünstigen.  Echte Beweise gibt es nicht, aber da die tägliche Höchstdosis von Aluminium schnell überschritten ist, sollte man den Gebrauch von Aluminiumsalzen reduzieren. Besonders in Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, Tees und Gewürzen findet sich  natürliches Aluminium. Gerichte die in Alufolie eingewickelt werden und säurehaltig sind, können Aluminiumsalze aus der Folie lösen. Auch Alukochgeschirr kann, in Kombination mit säurehaltigen Lebensmitteln, Aluminium abgeben. Daher ist es ratsam, zumindest den Gebrauch von Aluminium über die Haut zu reduzieren. 

Du musst also keine Sorgen haben, und alle Produkte die Aluminium enthalten, verwerfen. Vor allem geht das auch gar nicht, da Aluminium und seine Salze überall zu finden sind. Daher ist es so wichtig erst einmal zu wissen, worin sich überall Aluminiumsalze verstecken.

Ich komme noch mal kurz zum Alaun zurück und fasse zusammen. Alaun ist ein Multitalent, und hat unsere Geschichte sehr beeinflusst. Als Arzneimittel (Blutgerinnung) , ökonomisch (Fixativ), als auch unsere Umwelt (Abbau). Es hat uns damals, als auch heute vor dem Tod bewahrt, indem es Wunden verschließen kann und Brände stoppt. Alaun kann aber auch anders und schädlich sein, indem es die Haut- und Schleimhäute reizt, oder wenn man es regelmäßig in großen Dosen inhaliert, zu Lungenschäden führen. Solange man verantwortungsvoll damit umgeht, kann Alaun ein wunderbarer Helfer sein. 

Willst du über ein bestimmtes Mineral mehr erfahren und immer auf dem Laufendem bleiben? Ich lade dich herzlichst dazu ein, meinen Newsletter zu abonnieren und mir auf Facebook zu folgen. Es wird spannend weiter gehen, das verspreche ich;)

Wusstest du, dass wir uns im Aluminiumzeitalter befinden? Dazu aber ein andermal.

Quellen:

  • Dr. Fr. J. Behrend (Hrsg.).Archiv für Syphilis und Hautkrankheiten mit Einschluss der nicht-syphilitischen Genitalaffektionen (Berlin 1847)