Die Unterscheidung von „Halbedel“ – und Edelstein ergibt wenig Sinn, denn sie ist nicht genau genug. Es war ein Versuch,  Kategorien für Mineralien zu finden. Inzwischen wird der Begriff „Halbedelstein“ in der Schmuckindustrie nicht mehr verwendet, aber im normalen Sprachgebrauch hält er sich hartnäckig. Wer Edelstein hört, glaubt automatisch, dass er mehr wert ist, als ein „Halbedelstein“,oder  Schmuckstein. Das trifft aber nicht immer zu. Ein „Halbedelstein“ kann höhere Preise erzielen, als ein Edelstein. Das kommt auf das jeweilige Mineral und seine Eigenschaften an.

Wie „edel“ muss ein Stein sein, um als klassischer Edelstein eingestuft zu werden?

Viele Minerale, die durchsichtig sind, werden als Edelsteine bezeichnet, wie zum Beispiel ein Aquamarin, Smaragd, Diamant, -oder Tansanit. Es gibt jedoch auch Aquamarine, Tansanite, Diamanten und Smaragde, die eben nicht klar sind, sondern mögliche Einschlüsse aufweisen. Einschlüsse sind andere chemische Komponenten im Mineral. Sie trüben zum Beispiel die Sicht, bilden Rutilnadeln,- oder ändern teilweise die Farbe des Minerals. Manche Minerale werden gerade durch diese Einschlüsse zu ganz besonderen Exemplaren.

Auch ein Quarz ist oft klar,- bzw. durchsichtig, und zählt trotzdem nicht zu den „edlen“ Edelsteinen. Edelsteine sind meist härter als „Halbedelsteine“,  aber auch diese Abgrenzung ist ungenau. Quarz und Turmalin weisen bereits die Härte 7-7,5 (die Mohs-Härteskala reicht bis 10) auf. Dazu kommt noch, dass ein Topas mit- Härte 8, oder auch ein Rubin mit – Härte 9, noch lange nicht zur Topqualität zählen müssen. Dazu benötigt es weitere Faktoren.

Es gibt verschiedene Qualitäten bei einem Mineral. Rubin ist nicht gleich Rubin.  Neben der Reinheit und Farbe zählt auch das Gewicht und der Schliff  (die 4 C’s:  cut, carat, clarity and color), um als „edler“ (oft höherpreisig eingeschätzter) Edelstein zu gelten. Wie selten ein Edelstein ist, bestimmt zum Großteil den Preis. Je seltener, einzigartiger und gefragter, desto teurer ist der Edelstein. Aber auch hier gibt es Ausnahmen, wie z.B. der Diamant.  Er ist nicht so selten, wie man meinen würde, und wird trotzdem zu hohen Preisen gehandelt. Dazu aber ein andermal.

facettierte Turmaline
facettierte Edelsteine

Als Halbedelsteine werden häufig undurchsichtige Mineralien, oder solche mit geringerer Härte bezeichnet. Zum Beispiel Türkis, Amethyst, Granat, Fluorit und Lapislazuli. Diese Mineralien können aber sehr edel und teuer sein, sofern sie eine hervorragende Farbqualität aufweisen. Wie gesagt, nicht einmal ob durchsichtig, oder undurchsichtig, sind eindeutige Kriterien, um Edelsteine und „Halbedelsteine“ zu unterscheiden.

Pyrit ist ein Erkennunsgmerkmal für die Echtheit von Lapislazuli
Lapislazuli mittlerer Qualität

Halbedelsteine“ werden oft mit minderer Qualität in Verbindung gebracht, und dass sie günstiger sind. Beides kann zutreffen, muss es aber nicht, wie du am Beispiel Lapislazuli siehst.  Es gibt übrigens auch „Halbedelsteine“, die als Sammlerstücke große Preise erzielen.

Ein Schmuckstein, der kein Stein ist

Dann gibt es noch Schmucksteine. Und, um das Ganze noch verwirrender zu machen, es müssen nicht einmal Steine sein, sondern auch versteinertes Holz (z.B. Gagat/Jet), Bernstein (Harz), Korallen, oder Muscheln (Perlmutt) gelten als Schmucksteine.  Es handelt sich dabei um organische Stoffe, im Gegensatz zu den anorganischen Mineralien. Schmuckstein wird oft als Synonym für „Halbedelsteine“ verwendet, aber auch da kann man daneben liegen, denn echte Korallen sind selten geworden, und werden immer mehr zum „begehrten Edelstein“.

Den Preis bestimmt oft, aber nicht immer, wie verfügbar, einzigartig, oder selten ein Mineral ist. Die Nachfrage und Einzigartigkeit,- lassen einen Schmuckstein zum Edelstein,- und einen Edelstein,- zum Schmuckstein werden.

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